Im Moment läufts wohl nicht so bei der Schweizer Armee. Gestern noch berichtete sternTV über den Einmarsch der Schweizer Armee im Fürstentum Liechtenstein, heute kommt raus: Die Schweizer Armee kaufte über 1'000 nicht funktionierende und zu teure Schiess-Simulatoren.
Die von der RUAG entwickelten Geräte wären bei der Konkurrenz über die Hälfte günstiger gewesen, wie das Magazin "Beobachter" morgen in seiner Ausgabe melden wird. Statt 33'000.- hätte jedes Gerät nur 12'000 Franken gekostet.
Auszüge aus dem "Beobachter":
Angesichts eines solchen Preises kann das Team der Femswiss AG nur noch staunen. Spezialität der in Spreitenbach beheimateten Firma sind nämlich Laserschuss-Simulatoren. Das Familienunternehmen beschäftigt 20 Angestellte und kann auf eine 20-jährige Tätigkeit in den Hightechbereichen Kommunikation und Lasertechnik zurückblicken.
«Bei einem Simulator für Handfeuerwaffen gehe ich von einem Marktwert von 6’000 Franken aus. Die Anpassung unseres Systems an die Bedürfnisse der schweizerischen Armee dürfte − grosszügig geschätzt − weitere 6’000 Franken kosten. Ich könnte also zu einem Stückpreis von rund 12’000 Franken liefern», sagt Geschäftsführer Rahim Fardin.
Vor diesem Hintergrund muten die Ausführungen des Verteidigungsdepartements in der Beschaffungsbotschaft an das Parlament befremdend an: «Die Planung für den Simulator LASSIM PAB begann 2002. Da auf dem Markt kein entsprechender Laserschuss-Simulator erhältlich war, wurde die Entwicklung eingeleitet.» Merkwürdig: Im Jahr 2001 lieferte Femswiss via Oerlikon Contraves Laserschuss-Simulatoren an Spanien und auch an die USA. Weiter heisst es in der Botschaft: «Nach der Prüfung der Konzepte mehrerer Firmen ging der Auftrag an die Firma Ruag Electronics als Generalunternehmerin.» Um welche Firmen es sich dabei handelt, darüber schweigt sich Armasuisse, das Beschaffungs- und Technologiezentrum des VBS, aus.
Immer wieder gerät die Beschaffungspraxis von Armasuisse wegen mangelnder Transparenz in die Kritik. Zuletzt just ebenfalls in Zusammenhang mit dem Rüstungsprogramm 2005. Neben dem Schiesssimulator sah das Programm auch den Kauf von 20 Helikoptern der Firma Eurocopter vor. Deren Beschaffung sorgte im Parlament für ausgedehnte Kontroversen. Die unterlegene Konkurrenzfirma Agusta schaltete die Wettbewerbskommission ein. Ein Entscheid steht noch aus.
Zweifel an dieser Aussage sind angebracht, zumindest im Fall des Laserschuss-Simulators. Das Femswiss-System ist nicht nur um mehr als die Hälfte günstiger als das Ruag-Produkt, sondern hat noch einen weiteren Vorteil: Es funktioniert. Bei den Armeen der grössten Länder - etwa in den USA, in Russland und China - steht es laut Fardin erfolgreich im Einsatz: «Die Funktionstüchtigkeit des Systems kann jederzeit überprüft werden.»
Anders das Ruag-Produkt LASSIM PAB. Nach einer mehrjährigen Entwicklungszeit fanden im Herbst in Walenstadt Truppentests statt. Danach teilte Armasuisse mit: «Bei der Erprobung der Vorserie der 1’160 Simulatoren hat sich gezeigt, dass das System nicht allen Anforderungen entspricht.» Eine sehr wohlwollende Formulierung. Insider wissen: Das Ruag-Produkt fiel haushoch durch. Von 19 geforderten Punkten erreichte es gerade einmal vier.
Wie lange sollen wir noch jährlich Milliarden von Franken in den
grössten und teuersten Kindergarten, denn die Schweiz sich leistet (auch "
Armee" genannt) buttern, wo über die Hälfte des Geldes gleich wieder zum Fenster hinausgeworfen wird? Aus meiner Zeit in der Rekrutenschule und den darauf folgenden WKs weiss ich noch
etliche weitere Fälle, bei denen Geld verschwendet wird. Unter anderem denke ich da zum Beispiel an Gehälter für gewisse Herren der Elom RS in Lyss BE, die schlichtweg zu nichts fähig sind. Wer keinen Job findet, landet beim Militär, so denke ich seit meiner Zeit in Lyss und diverse Medienartikel die in letzter Zeit erschienen, bestätigen mir diesen Eindruck.
UPDATE 30.03.07 - 03:09 UHRSoeben erfahren: In Geroldswil bei Zürich fuhren zwei
Militär-Lastwagen ineinander und haben dabei
Feuer gefangen. Sie waren unterwegs von Wangen an der Aare in die Ostschweiz. Glücklicherweise gab es keine Verletzte.
Alkohol war nach Aussage eines Militärsprechers
nicht im Spiel.
Wir erinnern uns: Mitte März kam es im Jura zu einem
Unfall mit einem Aufklärungsfahrzeug "Eagle"; dabei wurde
ein Rekrut getötet und zwei weitere verletzt.
Muss das sein?